Umgangskonzept

Uns ist wichtig, dass wir unsere Fehler nicht wiederholen und in Zukunft Diskriminierung, Grenzüberschreitungen und  (geschlechtsspezifische) Gewalt sowohl in der Gemeinschaft als auch in uns selbst zu überwinden. 

Dazu braucht es eine konsequente Auseinandersetzung mit diesen Themen sowie eine individuelle Aufarbeitung von Vorfällen.

An wen du dich wenden kannst, wenn du Ungerechtigkeiten selbst erfahren oder beobachtet hast und wie wir in künftig mit Vorfällen umgehen möchten, kannst du hier nachlesen. 

Die WandelOase Köln ist eine Initiative, die sich für die Transformation Kölns, durch verschiedene Ansätze, stark macht. Wir möchten Orte für Begegnung und Gemeinschaft, für Nachbarschaft und Miteinander, für persönliche und kulturelle (Selbst-) Entfaltung schaffen. Zudem unterstützen wir Menschen dabei ihre eigenen Visionen für ein lebenswertes Köln in die Tat umzusetzen und so einen Beitrag zu der Gestaltung ihrer Mitwelt zu leisten.

Kurz gesagt: Die WandelOase Köln hat das Ziel die verschiedenen Facetten des sozial-ökologischen Wandels zu stärken. Wie der Ausdruck schon besagt: zu dieser Transformation gehört ein sozialer und gesamtgesellschaftlicher Wandel. Ein Wandel hin zu einer Gemeinschaft, die Solidarität und Miteinander als ihre Prinzipien definiert und lebt, die gegenseitige Grenzen und Werte achtet und wertschätzt, die voneinander lernt und miteinander wächst.

Wir möchten, dass die WandelOase für alle Menschen ein Schutzraum ist, in dem jede*r sich frei entfalten kann. Eine Gemeinschaft die von- und miteinander lernt und sich zusammen für eine bessere Welt einsetzt. Wir setzen uns konsequent dafür ein Diskriminierung, Grenzüberschreitungen und (geschlechtsspezifische) Gewalt sowohl als Gemeinschaft als auch in uns selbst zu überwinden. 

Dieses Konzept haben wir für euch geschrieben: Wir möchten, dass ihr euch möglichst sicher fühlt, euch trauen könnt aufzustehen und euch bei uns – dem Kernteam der WandelOase – zu melden, wenn ihr Ungerechtigkeiten oder Grenzüberschreitungen beobachtet oder selbst erfahren habt. Wir hoffen Allen – ob Engagierten, Interessierten, Besucher:innen oder Kernmitgliedern – mit diesem Konzept Sicherheit geben zu können. 

In der WandelOase werden Betroffene ernst genommen, geschützt und unterstützt. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir alles tun, um Dir in Deiner Situation zu helfen. Gleichzeitig möchten wir sagen: Wir sind keine Expert:innen und üben unsere Rolle als Kernmitglieder ehrenamtlich neben unseren eigentlichen Berufen aus. Daher kann es sein, dass wir uns nicht persönlich um die Aufarbeitung aller Vorfälle kümmern können, da wir nicht möchten, dass irgendwer seine eigenen Grenzen überschreitet. Doch einer Sache kannst du dir sicher sein: Wir werden uns nicht einfach zurückziehen, sondern gemeinsam mit dir nach der passenden Unterstützung suchen.

Unser Ansatz:
Inspiriert von Restaurativer/ Transformativer Gerechtigkeit und Community Accountability

Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass wir keinem Prinzip in seiner “reinen Form” folgen – wenn es denn so etwas geben sollte. Bei der Erstellung des Umgangskonzeptes haben wir uns inspirieren lassen von all der grandiosen Arbeit, die bereits in anderen Vereinen, Räumen und Kontexten geleistet wurde. Wenn ihr also das Gefühl habt, dass wir ein Prinzip nicht ganz verstanden haben, dann kann dies entweder daran liegen, dass wir es für uns anders interpretieren… oder ihr habt recht und wir freuen uns mit euch in den Austausch zu kommen 🙂

Wir glauben an einen restaurativen Ansatz: Wir möchten Taten verurteilen und keine Menschen. Wir möchten keine Menschen als Täter stigmatisieren, sondern über Taten bzw. Handlungen sprechen. Wir möchten sensibilisieren. Wir möchten gemeinsam lernen. Wir glauben fest daran, dass kein Mensch austauschbar ist; dass jeder Mensch wertvoll ist; dass jeder Mensch es verdient hat, nicht auf seine Fehler reduziert zu werden.

Das bedeutet für uns, dass der Umgang mit Grenzüberschreitungen ein stetiger Prozess sein darf, welcher sehr individuell abläuft. 

Wir nehmen die Bedürfnisse von Betroffenen sehr ernst, schützen und unterstützen sie. Gleichzeitig möchten wir Beschuldigten dabei helfen Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und sie bei der Aufarbeitung – so gut wir das können – begleiten. 

Wenn dies gewünscht und als zielführend empfunden wird, möchten wir sowohl Betroffenen als auch Beschuldigten dabei helfen zusätzliche externe Unterstützung zu finden und – wenn möglich – einen Prozess anstoßen, in dem sich beide Parteien wieder aufeinander zu bewegen können. 

Was ist uns wichtig? – Kurz und Knapp

– Die betroffene Person soll sich wohl und sicher fühlen.

– Wir möchten ihr helfen die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und Wege zu finden, diese gemeinsam mit uns und der beschuldigten Person zu erfüllen.

– Für beschuldigte Personen kann dies bedeuten, dass es zu Verhaltens- oder räumlichen Einschränkungen kommt.

– Nichts von dem was passiert muss für immer so bleiben. Wir möchten im Gespräch bleiben und schauen stetig wie es weiter geht.

– Wir möchten Vorfälle als Anlass nehmen uns und unsere Strukturen zu hinterfragen: Welcher Teil unserer Struktur hat zu dem Vorfall beigetragen? Was können wir zukünftig besser machen?

– Wir möchten uns und unserer Community die Gelegenheit geben zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Dies kann durch interne Aufklärung oder auch externe Workshops passieren. 

Du hast Grenzüberschreitungen, Diskriminierung, Gewalt oder ähnliches
selbst erfahren, beobachtet oder dir wurde davon berichtet?

Wende dich gern an eine Vertrauensperson – Hier ist alles was du für die ersten Schritte wissen musst. 

Vertrauenspersonen – wer sind wir und wie sind wir zu erreichen?

Unser Ansprechpartner für das Thema Awareness sind Helena und Rezan. Sie sind bei jeglichen Grenzüberschreitungen unter der unten genannten Adressen zu erreichen und werden dir zur Seite stehen.
Natürlich kannst du dich auch an eine Person deines Vertrauens wenden und mit ihr gemeinsam schauen wie es weitergehen soll – dies kann jemand aus dem Kernteam sein oder eine andere Person, die dich (zu Anfangs) vertritt, falls du dich (noch) nicht sicher fühlst dich direkt an uns zu wenden.
Zu unserem eigenen Schutz möchten wir hier nochmal sagen: Es kann möglich sein, dass deine ausgewählte Vertrauensperson keine Kapazitäten zum gegebenen Zeitpunkt hat, da sie z.B. gerade selbst in einer emotional herausfordernden Situation steckt. Sie wird aber ihr bestmögliches geben, um dich unterstützen zu können und weitere Unterstützung für dich zu finden.

Nur das Kernteam
Rezan (he/his)
Helena (she/her)

Wann wende ich mich an eine Vertrauensperson?

Du kannst Dich in Fällen von Grenzüberschreitungen, Diskriminierung und (sexualisierter) Gewalt an eine Vertrauensperson wenden. Aber auch bei allen anderen Anliegen versucht die Vertrauensperson, Dir zu helfen oder Dich mit der richtigen Ansprechperson in Kontakt zu bringen.

Was macht eine Vertrauensperson?

Die Aufgabe der Vertrauensperson ist es, Dir zuzuhören, Dich zu unterstützen und Dein Anliegen zu vertreten, wenn Du es wünschst. Verschwiegenheit ist dabei ein Grundsatz.

Was ist den Vertrauenspersonen wichtig?

Wir möchten Betroffene, Unterstützer:innen und/oder Beobachter:innen ausdrücklich ermutigen, grenzüberschreitendes und gewaltvolles Verhalten nicht (länger) hinzunehmen oder auszuhalten, sondern sich Unterstützung bei unseren Vertrauenspersonen zu suchen. Wir nehmen jede Anfrage ernst und behandeln sie sensibel und vertraulich, um alle beteiligten Personen zu schützen.

Was passiert nach einem Kontakt?

Es passiert genau das, was Du mit der Vertrauensperson vereinbarst. Alles was folgt ist sehr individuell und variiert nach deinen Bedürfnissen und Wünschen. Alle weiteren Schritte, werden nur mit Deiner Einwilligung gegangen.

Wie wird interveniert?

Wenn Du als betroffene Person einverstanden bist, wird der Fall konsequent mit dir bearbeitet. Wenn du anonym bleiben möchtest überlegen wir gemeinsam einen Weg deine Identität zu schützen und gleichzeitig den Fall aufzuarbeiten – natürlich nur wenn du das möchtest.

Muss ich meinen Namen nennen bzw. mich zu erkennen geben?

Nein. Du darfst in jedem Fall anonym bleiben. Dazu kannst du uns entweder anonym eine Mail schreiben oder du bittest ein:e Freund:in den Vorfall an uns heran zu tragen.
Auch wenn du dich persönlich und mit Namen an eine Vertrauensperson gewandt hast, werden wir dich nicht zu erkennen geben, wenn du das nicht möchtest.

Werden meine Daten vertraulich behandelt?

Du musst uns natürlich keinerlei Daten von dir geben. Entscheidest du dich doch dafür, werden sie natürlich vertraulich behandelt. Sie werden nur in Absprache mit Dir an Dritte weitergegeben.
Das gleiche gilt natürlich für Alles was du der Vertrauensperson sagst.

Du wirst selbst beschuldigt oder möchtest jemanden beschuldigen?

Du fragst dich welche Folgen das haben kann? – Hier findest du alle Infos die du brauchst.

Was wird mit den Beschuldigten gemacht?

Unsere höchste Priorität ist es Safe(r) Spaces für Betroffene zu schaffen.

Es wird schnellstmöglich ein erstes Gespräch mit der beschuldigten Person organisiert um ihre Wahrnehmung und ihren Standpunkt herauszufinden.
Dabei wird zumindest ein Teil des Kernteams anwesend sein. Wer sonst noch an dem Gespräch teilnimmt, schauen wir ganz individuell. Es könnten die Kontaktperson des Beschuldigten, die Vertrauensperson der betroffenen Person oder andere anwesend sein.

Welche Maßnahmen sind notwendig?

Das kann sein, dass Beschuldigten der Zugang zu öffentlichen Räumlichkeiten oder auch Veranstaltungen verwehrt wird, wenn dies von Betroffenen gewünscht wird.
Gleichzeitig möchten wir Beschuldigten helfen den Vorfall aufzuarbeiten, bzw. die dazu nötige Unterstützung zu erhalten. Als beschuldigte Person kann es hilfreich sein  in einen Verantwortungsübernahmeprozess zu gehen – auch hierbei wollen wir nach Möglichkeit unterstützen. 

Wenn eine beschuldigte Person gehen muss, dann für immer?

Wenn die Bereitschaft da ist, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, können Beschuldigte auch weiterhin Teil unserer Gemeinschaft sein. Wie es innerhalb der Initiative und der Gemeinschaft genau weitergeht ist sehr individuell: es hängt von der Mitarbeit der beschuldigten Person, den Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen und vielen weiteren Faktoren ab. 
Doch eins ist sicher: Wenn du als beschuldigte Person bereit bist zu lernen und Verantwortung für dein Handeln zu tragen, werden wir uns bemühen einen Prozess anstoßen, in dem sich beide Parteien wieder aufeinander zubewegen können.

Prävention

Was tun wir, damit generell Diskriminierung und Grenzüberschreitungen in Räumen,
bei Veranstaltungen undallgemien in der Gruppe thematisiert wird?

1. Bei Veranstaltungen machen wir Ansprechpartner:innen wir beispielsweise die Barschichten mit dem Code “Luisa ist hier” vertraut.
Zudem gibt es bei größeren Veranstaltungen und immer dann, wenn auch Alkohol konsumiert wird ein Awareness-Team.

2. Auf den Toiletten gibt es Aushänge, die Betroffenen erklären, wie sich sich an uns wenden können und so Hilfe bekommen.

3. Neue Mitglieder werden stets auf unser Memorandum of Understanding sowie unser Umgangskonzept und unsere Wertebasis aufmerksam gemacht. Wer sich in der WandelOase Köln engagieren möchte verpflichtet sich dazu, diesen Grundsätzen zu folgen. 

Abschließende Worte

Falls es auch euer Sicht Aspekte gibt, welche wir nicht gesehen haben und die euch in dem Umgangskonzept fehlen, dann schreibt uns gern eine E-Mail

Wir sind für einen Austausch offen und freuen uns immer etwas neues zu lernen 🙂

 

 

Kontaktdaten der Fachberatungsstellen

Hier findet ihr eine Liste mit Beratungsstellen, welche Betroffenen und Beschuldigten helfen können. Wenn ihr noch weitere Stellen kennt, die ihr für wichtig erachtet, dann meldet euch gerne, sodass wir die Liste stetig erweitern können. 

1. Eine regionale Fachberatungsstelle zum Thema Gewalt gegen Frauen, sexualisierte und häusliche Gewalt ist auf der Internetseite des bff: Frauen gegen Gewalt e.V. – Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe zu finden: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/hilfe-beratung.html

2. Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ist rund um die Uhr unter der Nummer 08000 116 016 kostenlos, auf Wunsch anonym und über die Internetseite auch mit Gebärdendolmetschung erreichbar. Das Hilfetelefon arbeitet mit Dolmetscherinnen, so dass eine telefonische Beratung auch in den Sprachen Türkisch, Polnisch, Russisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Serbokroatisch, Bulgarisch, Rumänisch, Persisch, Vietnamesisch, Mandarin und Arabisch möglich ist. 
Weitere Informationen: www.hilfetelefon.de

3. Das Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“ ist kostenlos und anonym unter der Nummer 0800 22 55 530 erreichbar. Es wird vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) betrieben. Auf der Internetseite www.hilfeportal-missbrauch.de gibt es aktuelle Kontaktdaten von Fachberatungsstellen. 

4. Auf der Internetseite www.hilfe-info.de hat das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz für Betroffene von Straftaten viele wichtige Informationen zu den Themen Hilfe und Unterstützung, Vertrauliche Spurensicherung, Recht auf Entschädigung usw. zusammengestellt.

5. Das AntiDiskriminierungsBüro (ADB) Köln/ Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V. Integrationsagentur – Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit bietet seit 1995 eine Anlauf- und Beratungsstelle für Menschen, die rassistische Diskriminierungserfahrungen machen.
Weitere Informationen unter: www.oegg.de